Arbeit und/oder Vergnügen

Gerade lese ich auf Facebook Kommentare zum Urlaubspost eines Kollegen, man gönne ihm den Urlaub, er solle sich gut erholen, er soll Spaß haben. Und dann dieser „genieße den urlaub von deinem ‚anstrengendem‘ job“, bei dem ich schwer  (den kurzzeitig aufkommenden ärger hinunter) schlucken muss.
Es gibt offensichtlich noch immer genügend Leute die unseren Job nicht als das ansehen was er ist und was er beinhaltet. Das, bei dem was wir als Tauchlehrer tun, noch etwas mehr als Equipment zusammenbauen, tauchen gehen und danach ein Dekobier trinken dazugehört entgeht vielen, zugegebenermaßen sind sie meistens auch nicht dabei, bei all dem was hinter der „Kulisse“ so stattfindet.

Lasst mich mal zwei typtische Tagesabläufe bei uns auf der insel beschreiben:

  • 7:45 Tee kochen, Bootsliste (Roster) schreiben, Computer ausgeben, Gäste bedienen die noch etwas brauchen.
  • 8:15 aufs Boot, eigenes Equipment vorbereiten, den Gästen bei Problemen beim aufbauen helfen, Boot für die erklären die das erste Mal dabei sind, Abfahrt, Tauchplatzkarte malen, Briefing geben, Strömung checken, Tauchrichtung ansagen;
    TAUCHEN, beim abtauchen darauf achten das JEDER am Riff landet, dabei auf die Gruppe aufpassen – Stichwort VERANTWORTUNG übernehmen – und helfen wenn nötig, gleichzeitig nach Sachen suchen, die man zeigen kann um ALLEN Erwartungen gerecht zu werden, das selbe dann nochmal für den zweiten Tauchgang
  • bei Ankunft im Divecenter (ca. 12:30), Papierkram
  • Mittagspause
  • 14:30 Check in: Divecenter erklären (30-40 min), warten bis alle Gäste ihr Equipment fertig haben, Briefing geben, tauchen gehen mit Gruppen zwischen 1 und 8 Leuten, teils in starker Strömung, dabei tauchen wir nicht nur, sondern koordinieren und helfen und lösen Probleme falls vorhanden.
  • 17:30: Debriefing, Papierkram, Shopdienst bis 18:30 danach ums eigene Equipment kümmern.

Wenn man Kurs hat (beispiel erster Tag):

  • 8:00 Shopdienst
    9:00 Papierkram, Equipment anpassen, Video zeigen (dabei auch im Shop bedienen), Übungen erklären, Pooltauchgang mit Übungen, erster Tauchgang, Debriefing. Wenn man Glück hat und talentierte Schüler hat ist man gegen 12:30 fertig
  • Mittagspause
  • 14:30 Schwimmtest, Theorie (noch mehr Video und Shopdienst), viel erklären (und zwar so dass das Gegenüber es versteht und umsetzen kann).
  • Shopdienst bis 18:30.

Nebenbei sind wir noch Fischexperten, Schnorchelberater, Krankenschwester/-pfleger, Wetterdienst, Verkäufer, Nostradamus. Nicht zu vergessen die tägliche Stickstoffbelastung (die den Urlaubstaucher in einem tauchgangsreichen Urlaub abends meistens sehr gut schlafen lässt).

In Thailand, letzten Winter (2015/2016), begann mein rbeitstag um * 6:30 : Equipment verladen, Boot beladen, Gäste begrüßen, Boot erklären, Gäste bespaßen, Tauchplatzbriefing geben, zwei Tauchgänge machen, auf der Heimfahrt seine Aufgaben erledigen und Gäste bespaßen, Boot entladen, Auto be- und wieder entladen, Equipment der neuen Gäste für den nächsten Tag vorbereiten, Feierabend zwischen 18:30 und 19:30. wiederhole ab * etwa 7 – 10 mal, mache einen Tag Pause und wiederhole den Raport…

Acht Stunden am Tag vor dem Bildschirm war auch kein Vergnügen, aber kein Vergleich mit dem was wir hier – vor allem körperlich – leisten. Damals hatte ich noch ein Wochenende eine 5-Tage Woche. Die (wenn überhaupt festgelegte) 6-Tage Woche in unserem Job kann auch schnell mal zu einer (wie schon erwähnt) 7 – 14 Tage Woche werden die ihr Finale dann mit einem eintägigen Wochenende begeht.
Trotz der Anstrengung möchte kaum einer diesen Job gegen einen anderen eintauschen. Vielleicht sieht man es uns auch deshalb nicht an das wir härter arbeiten, weil wir trotzem grinsen und jede Sekunde von dem genießen was wir tun (naja, meistens und fast alles 🙄 ).
Es geht auch gar nicht darum zu jammern wie hart unser Job ist, dennoch freuen wir uns aber immer über eine Anerkennung dessen was wir, auch während des Tauchens, noch zu tun haben. denn ja, es IST anstrengend, aber schön, und manchmal auch belohnend – beste Belohnung: ein fettes Grinsen im Gesicht von Schnuppertauchern, Schülern und geguideten Tauchern -, aber letztendlich ist die Diskussion so müßig wie die darüber ob wir im „Paradies“ leben.

Eure Aqua